Kennzeichnung von Pferden

Ein Pferd zu besitzen, bringt eine große Verantwortung mit sich. Die meisten Pferde sind uns so lieb und teuer wie ein Familienmitglied, und es wäre schrecklich, wenn es gestohlen würde. Ohne eine genaue Kennzeichnung Ihres Pferdes, verringern sich die Chancen beträchtlich, ein gestohlenes Pferd wieder zu finden. Ihr Pferd kann bereits nach kurzer Zeit Hunderte von Kilometern von seinem Heimatstall entfernt sein. Eine eindeutige Kennzeichnung ist auch ein Mittel, um Betrug im Pferdehandel, auf Turnieren oder im Rennsport vorzubeugen. Es gibt verschiedene Arten der Kennzeichnung, die alle helfen Diebstähle zu verhindern und Pferde eindeutig zu identifizieren.

 

Welche Möglichkeiten der Kennzeichnung gibt es?

Häufig werden Pferde schon im Fohlenalter gekennzeichnet und haben auch entsprechende Papiere, die das belegen. Sollte Ihr Pferd nicht gekennzeichnet sein oder Sie möchten aus Sicherheitsgründen eine zusätzliche Kennzeichnung, sollten Sie sich Gedanken machen, welche Kennzeichnung für Ihr Pferd infrage kommt. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Für Sie als Besitzer ist eine eindeutige Kennzeichnung eine Möglichkeit, Ihren Besitzanspruch unter Beweis zu stellen. Auch Ihr Pferd profitiert davon. Eine eindeutige Kennzeichnung ist erforderlich für: Eintragung ins Zuchtregister, Abstammungsnachweis, Impfnachweis, Diebstahlabsicherung, Versicherung, Überschreiben des Pferdes auf einen neuen Besitzer.

 

Es gibt folgende Möglichkeiten ein Pferd zu kennzeichnen:

  • Heißbrand - der Heißbrand ist wahrscheinlich die älteste Methode der Kennzeichnung. Dabei wird ein heißes Eisen in Form des gewünschten Brandzeichens kurz auf die Haut des Pferdes aufgedrückt. Alle Pferde, die in einem Zuchtregister für Warmblutpferde geführt sind, tragen ein Brandzeichen, das typisch für den entsprechenden Zuchtverband ist. Auch viele Ponyrassen werden auf diese Weise gekennzeichnet, z. B. Haflinger. Das Brennen wird bereits im Fohlenalter vom "Brennmeister" des entsprechenden Zuchtverbandes durchgeführt. Neben dem rassetypischen Brandzeichen, das üblicherweise auf die Hinterhand gebrannt wird, gibt es bei den meisten Zuchtverbänden auch noch einen Nummernbrand, der entweder ebenfalls auf der Hinterhand, oder aber auf dem Hals oder der Sattellage zu finden ist.
  • Kaltbrand - der Kaltbrand ist die populärste Methode der Kennzeichnung in Großbritannien, Australien und Neuseeland. In diesen Ländern werden Pferde anhand dieses Brandzeichens in ein nationales Register aufgenommen, das der Polizei im ganzen Land zugänglich ist. Der Kaltbrand ist auch in Deutschland immer mehr im Kommen. Beim Kaltbrand wird das Eisen nicht erhitzt, sondern sehr stark abgekühlt und dann auf die zuvor geschorene Haut aufgedrückt. Üblicherweise finden sich Kaltbrände auf der Sattellage, bei Pferden mit einer sehr hellen Fellfarbe auch auf der Schulter. Der Vorgang ist völlig schmerzfrei. Er zerstört die Pigmente in den Haarwurzeln, sodass die Haare an dieser Stelle dann weiß nachwachsen. Bei hellen Pferden wird das Eisen länger aufgedrückt, damit an der gekennzeichneten Stelle gar keine Haare mehr wachsen. Brandzeichen helfen nicht nur Ihnen, ein Pferd einwandfrei zu identifizieren, sondern auch Tierärzten, Pferdehändlern und bei Diebstahl auch der Polizei. Bei Pferden mit langem Fell ist es eventuell schwierig das Brandzeichen zu erkennen. In diesen Fällen ist es empfehlenswert, das Fell an der Stelle einfach zu scheren. Leider können auch Brandzeichen verändert werden und stellen keinen absoluten Schutz dar.
  • Mikrochip - ein Pferd kann genauso wie eine Katze oder ein Hund mit einem Mikrochip versehen werden. Mikrochips sind Reiskorn große Röhrchen, die mit einer Nadel unter die Haut des Pferdes am Hals eingesetzt werden. Jeder Chip enthält einen 15-stelligen Code, der mit einem speziellen Ablesegerät, mit dem man über den Hals des Pferdes fährt, abgelesen werden kann. Anhand des Codes kann dann der Besitzer des Pferdes festgestellt werden. Sie als Besitzer bekommen einen zusätzlichen Pass, oder die Codenummer wird in den Pferdepass eingetragen.
  • Signalements - Das Signalement Ihres Pferdes beschreibt, wie Ihr Pferd aussieht. Dabei werden die Fellfarbe, Mähne und Schweiffarbe, Huffarbe, Abzeichen (sowohl natürliche als auch erworbene), Wirbel, Narben und andere Besonderheiten beschrieben und in ein Diagram eingezeichnet. Unter natürlichen Abzeichen versteht man z. B. eine Blesse; erworbene Abzeichen sind z. B. Brandzeichen. Für offizielle Dokumente wie Zuchtregister oder Pferdepass ist es erforderlich, dass ein Zuchtwart bzw. Ihr Tierarzt die Identifizierung vornimmt. Es ist auch ratsam, Ihr Pferd, im Winter- und Sommerfell von allen Seiten zu fotografieren.
  • Lippentätowierungen - befinden sich an der Innenseite der Oberlippe und werden vor allem zur Kennzeichnung von Trabern und Vollblutpferden in den USA angewandt. Im Unterschied zu Tätowierungen beim Menschen, werden diese Tätowierungen mit der Zeit immer schwächer und müssen alle 4-5 Jahre erneuert werden.
  • Hufbrände - diese Methode wird in Großbritannien angewandt. Dabei brennt der Schmied die Postleitzahl des Ortes, wo das Pferd untergestellt ist, in die Hufe des Pferdes. Aufgrund des Hufwachstums muss dieser Brand zwei- bis dreimal im Jahr erneuert werden.

Gibt es noch andere Möglichkeiten der Kennzeichnung?

Nein - es gibt zwar noch einige andere Methoden, aber diese werden im Allgemeinen nur in Verbindung mit einer der oben beschriebenen Methoden angewandt. DNA-Tests sind zwar relativ teuer, können aber eingesetzt werden, wenn alle anderen Methoden versagt haben, um ein Pferd eindeutig zu identifizieren.

 

Welche Vorsichtsmaßnahmen gibt es noch?

Um Ihr Pferd vor Diebstahl zu schützen, können Sie Folgendes tun:

  • Schauen Sie mindestens zweimal am Tag nach Ihrem Pferd. Kommen Sie nicht nur zu den üblichen Zeiten, sondern auch mal außer der Reihe. So kann ein möglicher Dieb nicht sicher sein, wann Sie das nächste Mal erscheinen.
  • Bitten Sie Ihre Nachbarn, bei Ihrer Abwesenheit ein Auge auf Ihr Pferd zu haben. Oder sprechen Sie sich mit anderen Pferdebesitzern ab.
  • Überprüfen Sie Ihre Zäune regelmäßig. Elektrozäune sind empfehlenswert. Sie hindern nicht nur Ihr Pferd am Ausbrechen, sondern auch unerwünschte Gäste am Einbrechen. Sichern Sie Stalltüren und Gatter mit Schlössern.
  • Lassen Sie über Nacht ein Sicherheitslicht am Stall brennen.
  • Lassen Sie keine Halfter an der Box oder an der Koppel zurück. Das macht einen Diebstahl einfacher.

Was kann ich tun, wenn mein Pferd gestohlen wurde?

Wenn Ihr Pferd gestohlen wurde, müssen Sie unverzüglich die Polizei benachrichtigen. Berichten Sie der Polizei alles was Sie wissen und geben Sie ihr eine detaillierte Beschreibung Ihres Pferdes. Fragen Sie andere Personen im Stall oder Ihre Nachbarn, ob sie etwas Ungewöhnliches bemerkt haben. Informieren Sie Ihren Tierarzt, Hufschmied, Zuchtverband und Ihre Versicherung über den Diebstahl. Warnen Sie alle anderen Pferdebesitzer in der Gegend.