Gesunder Huf - gesundes Pferd

Hufprobleme gehören zu den häufigsten Lahmheitsursachen des Pferdes. Trotzdem nehmen es viele Pferdebesitzer mit der Hufpflege nicht so genau. Vernachlässigte Hufe sind anfällig für verschiedene Erkrankungen, die ohne Behandlung zu schweren Lahmheiten führen können. Das kann sogar so weit gehen, dass die betroffenen Pferde nicht mehr genutzt werden können. Regelmäßige Hufpflege ist deshalb äußerst wichtig. Sie sollten außerdem wissen, welche Huferkrankungen es gibt und wie sie diese erkennen.

 

Wieso sind die Hufe meines Pferdes für so viele Probleme anfällig?

Pferdehufe sind wirklich bemerkenswert. Sie tragen das ganze Gewicht Ihres Pferdes (im Durchschnitt 500 kg) und haben trotzdem nur eine sehr kleine Kontaktfläche mit dem Boden. Das bedeutet, dass die Strukturen jedes Hufes 125 kg tragen müssen, wenn das Pferd steht. Diese Zahl vergrößert sich noch mal um ein Vielfaches, wenn sich das Pferd bewegt. Um diese schwere Last tragen zu können, müssen die Hufe in einem optimalen Zustand sein.

 

Die Grundstrukturen des Hufes

Die Hufwand

Die Hufwand besteht aus Hörn, der gleichen Substanz, aus der auch unsere Fingernägel geformt sind. Das Horn der Hufwand wächst vom Kronsaum etwa 0,5 cm pro Monat nach unten. Die Vorderhufe sind runder als die Hinterhufe, die spitzer zulaufen. Der Winkel der Hufwand der Vorderhufe ist etwas flacher im Vergleich zu den Hinterhufen, sollte aber in beiden ohne Knick auf das Kronbein übergehen. Die Abnutzung des Hufes sollte gleichmäßig sein.

Die Sohle

Die Sohle besteht ebenfalls aus Horn. Es ist allerdings meist weicher als das Wandhorn. Dadurch ist die Sohle etwas elastisch. Sie sollte leicht ausgehöhlt sein, sodass sie während des Auffußens nicht mit dem Boden in Kontakt kommt. In der Mitte der Sohle befindet sich der erhöhte Strahl.

Der Strahl

Der Strahl ist eine dreieckige, erhöhte Struktur in der Mitte der Sohle. Er sollte die Sohle in zwei gleich große Hälften teilen. Der Strahl hat drei Strahlfurchen: Eine in der Mitte und je eine auf jeder Seite. Diese sollten sorgfältig sauber und trocken gehalten werden. Der Strahl hilft Gewicht zu tragen und sorgt außerdem dafür, dass das Pferd nicht so leicht ausrutscht.

Die Trachten

Die Trachten befinden sich am hinteren Teil der Sohle, bevor diese in die Ballen übergeht. Hier bildet der Strahl auf jeder Seite einen Winkel mit dem Tragrand des Hufes. Die Trachten gehören zu den tragenden Strukturen des Hufes und sind deshalb besonders großen Belastungen ausgesetzt.

 

Welche Pflege brauchen die Hufe meines Pferdes?

Um die Hufe Ihres Pferdes in einem guten Zustand zu erhalten, gibt es einige sehr einfache Maßnahmen, die sie beachten sollten:

  • Kratzen Sie die Hufe Ihres Pferdes vor und nach dem Reiten aus. Wenn Sie ihr Pferd nicht bewegen, sollten die Hufe trotzdem einmal täglich ausgekratzt werden. Das hält die Hufe Ihres Pferdes gesund und gibt Ihnen außerdem die Möglichkeit, sie auf Risse, Blutungen und Schmerzhaftigkeit zu überprüfen. Achten Sie bei beschlagenen Pferden auch auf die Abnutzung der Hufeisen.
  • Fetten Sie die Hufe einmal pro Woche ein.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Fütterung, da dies für ein gesundes Hufwachstum unerlässlich ist. Wenn Ihr Pferd "schlechte" Hufe hat, sollten Sie bestimmte Mineralstoffe und Vitamine zufüttern.
  • Ihr Pferd sollte regelmäßig, spätestens alle 8 Wochen ausgeschnitten bzw. neu beschlagen werden.
  • Rufen Sie Ihren Tierarzt, sobald Sie Anzeichen einer Lahmheit bei Ihrem Pferd feststellen.

Warum sind regelmäßige Termine beim Hufschmied so wichtig?

Regelmäßige Termine bei Ihrem Hufschmied sind genauso wichtig für die Gesundheit ihres Pferdes, wie routinemäßige Entwurmungen und Impfungen. Dadurch wird sichergestellt, dass eventuelle Hufprobleme frühzeitig erkannt werden. Es ist deshalb äußerst wichtig, für Ihr Pferd einen guten Hufschmied zu finden. Fragen Sie andere Pferdebesitzer, welchen Hufschmied sie empfehlen können. Auch Ihr Tierarzt kann Ihnen bei der Suche behilflich sein.

 

Was macht der Hufschmied routinemäßig am Huf?

  • Wenn Ihr Pferd nicht beschlagen ist, wird Ihr Hufschmied alle vier Hufe ausschneiden und mit einer Hufraspel in Form bringen. Wie häufig dies geschehen muss, hängt vom Hufwachstum ab und davon, wie schnell der Huf abgerieben wird. Hufwachstum ist bei jedem Pferd unterschiedlich und wird unter anderem von der Fütterung und der Jahreszeit beeinflusst. Hufabrieb ist davon abhängig, wie hart das Hufhorn Ihres Pferdes ist und wie oft und auf welchem Boden es geritten wird. Im Allgemeinen sollte Ihr Pferd alle 8 Wochen einen Termin bei Ihrem Hufschmied haben.
  • Wenn Ihr Pferd beschlagen ist, wird Ihr Hufschmied die alten Eisen abnehmen, die Hufe ausschneiden und in Form bringen und es dann neu beschlagen. Hufeisen sollten immer der Form des Hufes angepasst werden und nicht der Huf dem Eisen.
  • Wenn Ihr Hufschmied den Huf Ihres Pferdes in Form bringt, versucht er den Huf auszubalancieren. Er wird überflüssiges Hörn wegnehmen und in vielen Fälle die Zehe kürzen. Dann werden mit der Raspel Unebenheiten ausgeglichen, damit das Gewicht des Pferdes gleichmäßig verteilt wird. Beim Auffußen sollten beide Trachten gleichzeitig den Boden berühren, und das Pferd sollte über die Zehenmitte abrollen. Die symmetrische Beschaffenheit des Hufes ermöglicht eine gleichmäßige Verteilung der Kräfte, denen der Huf unterworfen wird, und vermindert dadurch auch die Überbelastung anderer Gliedmaßenteile

Welche Hufeisen braucht mein Pferd?

Mit Hufeisen kann ein Pferd, vor allem auf hartem Boden, länger gearbeitet werden, ohne dass sein Huf Schaden nimmt. Sie bewahren den Huf vor Abnutzung. In manchen Fällen werden sie eingesetzt, um Fehlstellungen zu korrigieren oder die Fußung eines Pferdes bei bestimmten Krankheiten zu verändern (orthopädischer Beschlag z. B. bei Hufrehe, Spat oder Hufrollensyndrom). Allgemein gilt, dass die Hufeisen dem Arbeitspensum Ihres Pferdes angepasst werden sollten. Zu schwere Hufeisen führen zu verändertem Gang und ermüden die Pferde. Stollen oder Stifte sollten nur verwendet werden, wenn sie unbedingt notwendig sind (z. B. bei Pferden, die viel auf Asphalt gefahren werden und hier zusätzlichen Halt brauchen). Ihr Hufschmied wird nach Absprache mit Ihnen die passenden Hufeisen für Ihr Pferd aussuchen. Um eine optimale Anpassung zu erreichen, sollten die Eisen vor Ort in Form geschmiedet und heiß aufgebrannt werden. Eine Alternative zu herkömmlichen Hufeisen sind aufklebbare Hufschuhe.

Nach welchen Anzeichen sollte ich Ausschau halten?

Im Folgenden werden die häufigsten Hufprobleme aufgeführt:

Spalten und Risse in der Hufwand

Spalten und Risse nehmen meist ihren Ursprung von kleinen Rissen am Tragrand des Hufes. Allerdings können sie auch vom Kronsaum aus ausgehen oder einfach mitten in der Hufwand auftreten. Es gibt vertikale Hufspalten oder horizontale Risse. Sie können Lahmheiten verursachen und verschlimmern sich häufig, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. Verursacht werden sie durch unausgewogene Ernährung, unzureichende Hufpflege oder falschen Beschlag. Sie sollten auf jeden Fall von Ihrem Tierarzt und Ihrem Hufschmied behandelt werden.

Huflederhautreizung

Eine Huflederhautreizung verursacht Ihrem Pferd Schmerzen und es geht lahm. Sie wird durch zu viel Bewegung (vor allem auf hartem Boden), Verletzungen des Hufes und schlechten Beschlag verursacht. Besonders anfällig sind Pferde mit dünnen, flachen Sohlen. Ihr Pferd sollte von Ihrem Tierarzt behandelt und für einige Zeit nicht bewegt werden.

Hufabszesse

Hufabszesse sind extrem schmerzhaft. Die meisten Pferde mit einem Hufabszess sind höchstgradig lahm und treten mit dem betroffenen Fuß nicht mehr auf. Ein Pferd, das versucht auf drei Beinen zu gehen, kann seiner Umgebung einen gehörigen Schrecken einjagen. Viele Pferdebesitzer glauben dann, dass ihr Pferd ein Bein gebrochen hat! Die Schmerzen werden durch den Druck verursacht, den eine Eiter-Ansammlung auf die empfindliche Huflederhaut ausübt. Sobald der so genannte Abszess eröffnet wird, nimmt dieser Druck ab und Ihr Pferd fühlt sich wesentlich besser. Hufabszesse entstehen aus kleinen Wunden, durch die Infektionserreger eindringen können.
Ein Hufabszess kann ernst sein und Sie sollten unverzüglich Ihren Tierarzt rufen. Denn wenn diese Erkrankung nicht behandelt wird, kann die Infektion auf die umliegenden Weichteile und Knochen übertreten. In manchen Fällen bricht der Abszess am Kronsaum sogar durch und Eiter läuft aus. Der gesamte Fuß kann angeschwollen und heiß sein.

Nageltritt

Nageltritte kommen relativ häufig vor. Dabei tritt das Pferd auf einen spitzen Gegenstand, z. B. einen Nagel, der sich dann in die Sohle einbohrt. Es ist sehr wichtig herauszufinden, an welcher Stelle der Sohle die Verletzung stattgefunden hat und wie tief der Gegenstand eingedrungen ist. Wenn Knochen (Hufbein oder Strahlbein), das Hufgelenk oder der Hufrollenschleimbeutel betroffen sind, ist die Prognose sehr viel schlechter. Auf jeden Fall ist schnelle tierärztliche Hilfe unerlässlich, vor allem, wenn sich die Verletzung im mittleren Teil der Sohle oder des Strahles befindet. Ein Nageltritt ist ein Notfall! Wenn möglich sollten Sie den Gegenstand im Huf stecken lassen bis Ihr Tierarzt kommt.

Strahlfäule

Strahlfäule tritt in den Strahlfurchen auf, die dann übelriechend und schmierig sind. Betroffen sind vor allem Pferde, die auf nasser Einstreu oder feuchten Weiden gehalten werden, oder bei denen die Hufpflege vernachlässigt wird. Strahlfäule erfordert eine konsequente Behandlung, eine Änderung der Haltung und eine Verbesserung der Hufpflege. Medikamente gegen Strahlfäule erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt.

Kronsaumverletzung und Ballentritte

Kronsaumverletzungen und Ballentritte sind Verletzungen, die sich die Pferde selber beibringen oder die durch Tritte anderer Pferde verursacht werden. Sie sollte auf jeden Fall Ihren Tierarzt rufen, der dann über die angemessene Behandlung entscheidet. In schweren Fällen kann eine Operation nötig sein. Wenn diese Verletzungen nicht rechtzeitig behandelt werden, kann es zu einer Infektion kommen, die zu einer Verschlimmerung der Situation führt.

Hufrehe

Hufrehe ist eine extrem schmerzhafte Erkrankung, die durch eine Veränderung der normalen Durchblutung hervorgerufen wird. Die häufigsten Anzeichen einer Hufrehe sind:

  • Lahmheit - meist sind die Vorderfuße betroffen (Hufrehe der Hinterfüße ist sehr selten).
  • Ihr Pferd nimmt eine für Hufrehe charakteristische Stellung ein: Die Vorderfüße werden so weit wie möglich nach vorne gestreckt, die Hinterfüße so weit wie möglich unter den Körper gestellt, um so viel Gewicht wie möglich auf die Hinterfüße zu verlagern und die schmerzenden Vorderfüße zu entlasten.
  • Es zeigt einen unnormalen Gang: der Huf landet mit den Trachten bevor die Zehe den Boden berührt.
  • Die Hufwand zeigt Ringe, die am Ballen weiter auseinander liegen als an der Hufspitze.
  • Blutungen in der Hufsohle
  • Die weiße Linie ist verbreitert, und sehr häufig entwickeln sich dort Hufabszesse.

Wenn Ihr Pferd Anzeichen einer Hufrehe zeigt, sollten Sie sofort Ihren Tierarzt rufen. Hufrehe ist ein Notfall! Je früher mit der Behandlung begonnen wird, umso besser!

Wenn Sie mehr über Hufrehe erfahren wollen, lesen Sie unser Merkblatt dazu!