Fütterung - wie Ihr Pferd topfit bleibt

Die Abstimmung einer ausgewogenen Ernährung auf das Arbeitspensum Ihres Pferdes sorgt dafür, dass Ihr Pferd in guter körperlicher Verfassung bleibt. Die Form eines Pferdes hängt von seiner Rasse, seinem Alter und seinem Arbeitspensum ab. Bevor Sie sich festlegen, was und wie viel Sie Ihrem Pferd füttern, müssen Sie entscheiden, ob Ihr Pferd bereits in optimaler Verfassung ist oder ob es abnehmen bzw. zunehmen sollte.

 

Was versteht man unter guter körperlicher Verfassung?

  • Ein Pferd in guter körperlicher Verfassung hat einen muskulösen Hals ohne Speckansatz. Hoch angesetzte, gut entwickelte Halspartien dürfen nicht mit einem Speckhals verwechselt werden.
  • Seine Rippen stehen nicht sichtbar hervor, sollten aber fühlbar sein - allerdings muss dabei die Felldicke des Pferdes beachtet werden.
  • Es sollte keine Speckpolster entlang des Rückens haben und die Fortsätze der Rückenwirbel sollten gerade noch tastbar sein.
  • Seine Kruppe sollte wohlgerundet sein, mit einer dünnen Fettschicht Die Vorsprünge der Beckenknochen sollten allerdings unter der Haut fühlbar sein. Überprüfen Sie sorgfältig und kritisch die "Figur" Ihres Pferdes. Ihr Tierarzt ist Ihnen gerne dabei behilflich.

Wie sollte die tägliche Futterration Ihres Pferdes aussehen?

"Du bist, was Du isst" - das gilt auch für Ihr Pferd. Eine ausgewogene Ernährung ist für das Wohlbefinden und die Gesundheit Ihres Pferdes unerlässlich. Die richtige Fütterung sorgt für gesundes Fell, gesunde Haut, Knochen, Muskeln und Hufe. Außerdem hilft Sie Ihrem Pferd, fit zu bleiben und sorgt für die nötige Energie für seine tägliche Arbeit. Die fünf wichtigsten Bestandteile seiner Futterration sind:

  • Wasser: Pferde sollten ständigen Zugang zu frischem, sauberen Wasser haben. Ein Pferd trinkt zwischen 22.7-90.9 Liter pro Tag. Die tatsächliche Menge hängt von seiner Bewegung, seiner Futterration, den Umgebungstemperaturen und anderen Faktoren ab.
  • Energie: Kohlenhydrate versorgen Ihr Pferd mit Energie und sind vor allem in Hafer, Weizen und Kraftfutter in Form von Stärke enthalten. Eine weitere sehr hoch konzentrierte Energiequelle sind Fette. Die Energie, die in Fetten und auch in den leicht verdaulichen Anteilen des Raufutters (Heu) enthalten ist, wird nur sehr langsam freigesetzt, während die Energie aus Getreide und Kraftfutter sofort zur Verfügung steht.
  • Proteine: Proteine sind unbedingt notwendig für den Aufbau und den Erhalt von Körpergeweben, wie z. B. Muskel. Sie sind vor allem in Gras, Heu und Silage enthalten.
  • Mineralstoffe: die wichtigsten Mineralstoffe sind Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium und Chlorid. Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Selen sind ebenfalls wichtig, werden aber in viel geringerer Menge benötigt. Ein gutes Kraftfutter sollte diese Stoffe in den benötigten Mengen enthalten. Minerallecksteine oder Mineralfutter können ergänzend gefüttert werden.
  • Vitamine: Frisches Raufutter ist eine der hauptsächlichen Vitaminquellen für Pferde, und der Bedarf an den meisten Vitaminen kann durch frisches Gras, sei es durch Weidegang oder durch Verfütterung frisch geschnittenen Grases, gedeckt werden. Der Vitamingehalt in Heu nimmt mit der Dauer der Lagerung ab und sechs Monate altes Heu hat fast gar keine Vitamine mehr. Vitamin A wird häufig zugefüttert, da es sich positiv auf Fruchtbarkeit und Wachstum auswirkt. Vitamin E (häufig in Kombination mit Selen) ist wichtig für den Muskelstoffwechsel und Biotin hilft Haar- und Hufwachstum. Raufutter (Gras oder Heu) bildet die Basis einer Futterration für Pferde. Die Zusammensetzung und der Schnittzeitpunkt des Grases bestimmen den Energie-, Protein-, Mineralstoff- und Vitamingehalt des Futters. Weiden mit einem hohen Kleeanteil haben z. B. höhere Protein-, Kalzium- und Kaliumwerte. Je länger das Gras zum Wachsen Zeit hatte, desto mehr "verholzte" Anteile beinhaltet es. Kürzere Wachstumszeit hingegen bedeutet einen höheren Blattanteil und in den meisten Fällen höhere Energie- und Proteinwerte.

Eine ausgewogenen Futterration erfordert häufig die Zufütterung von Kraftfutter. Häufig ist diese Ergänzung nötig, um die optimale Versorgung Ihres Pferdes mit Mineralstoffen und Vitaminen, die in zu geringen Mengen im Raufutter enthalten sind, zu gewährleisten. Bei Pferden, die stark in Anspruch genommen werden, ist es oft auch notwendig, Kraftfutter als Energiequelle zuzufüttern, da das Pferd sonst an Gewicht verlieren würde. Das ist vor allem im Winter der Fall, wenn zusätzliche Energie zur Aufrechterhaltung der Körperwärme verbraucht wird. Kraftfutter kann entweder aus einer Sorte Getreide allein bestehen oder es ist eine Mischung aus mehreren der folgenden Inhaltsstoffe und liegt dann meist in Pelletform vor.

  • Getreide, v.a. Hafer und Weizen
  • Mais
  • Grasmehl
  • Soja
  • Vitamine und Mineralstoffe
  • Rohfaser
  • Zuckerrüben

Wie berechne ich eine Futterration?

Zuerst einmal müssen Sie das Gewicht Ihres Pferdes bestimmen. Dafür gibt es verschiedene Methoden:

Waage: Das ist die genaueste Methode. Spezielle Pferdwaagen sind jedoch selten. Oft kann man sich auch behelfen, indem man bei einem Viehhändler oder Futtermittelhändler nachfragt, ob eine geeignete Waage vorhanden ist. Gewichtsmaßband: Eine einfache Methode, die vor allem in England und USA angewandt wird. Das Maßband wird wie ein Longiergurt angelegt und das Gewicht kann dann direkt abgelesen werden. Die Ablesung sollte geschehen, wenn das Pferd gerade ausatmet. Diese speziellen Maßbänder sind auch in Deutschland in gut sortierten Reitsportfachgeschäften zu haben. Es gibt verschiedene Maßbänder für Pferde und Ponys. Nachdem Sie das Gewicht Ihres Pferdes festgestellt haben, müssen Sie sein Arbeitspensum festlegen. Es gibt vier verschiedene Kategorien:

  • Erhaltung
    ◦ Pferde und Ponys, die nicht bewegt werden
  • Leichtes Arbeitspensum:
    ◦ Gemütliche Ausritte von l -2 Stunden Dauer
    ◦ Anfänger Dressurarbeit
    ◦ Anfänger Springen
  • Mittelschweres Arbeitspensum:
    ◦ Distanzpferde (bis zu 50 km)
    ◦ Dressur Klasse A und L
    ◦ Springen Klasse A und L
    ◦ Anfänger Geländeritte
    ◦ Anfänger Rennpferd
  • Schweres Arbeitspensum:
    ◦ Distanzpferde (über 50 km)
    ◦ Dressur ab Klasse M.
    ◦ Springen ab Klasse M
    ◦ Jagdpferde (1-2 Tage/Woche)
    ◦ Rennpferde in vollem Training

 

 

Tipps zur Fütterung

  • Füttern Sie Ihrem Pferd häufiger kleine Portionen. Der Verdauungstrakt des Pferdes ist nicht dafür eingerichtet, mehr als 2,3 kg Kraftfutter auf einmal aufzunehmen. Deshalb kann es bei einem schweren Pferd mit einem großen Arbeitspensum nötig sein, es mehr als dreimal am Tag zu füttern.
  • Füttern Sie regelmäßig und halten Sie konstante Futterzeiten ein, an die sich Ihr Pferd gewöhnen kann. Pferde sind Gewohnheitstiere!
  • Wenn Sie irgendetwas an der Fütterung ändern möchten, dann sollten Sie das allmählich über einen Zeitraum von 7-10 Tagen tun. Dadurch hat der Verdauungstrakt Ihres Pferdes Zeit, sich auf die Veränderungen einzustellen. Das ist wichtig, um Komplikationen, z. B. Koliken, zu vermeiden. Neues Futter sollte prinzipiell zuerst mit dem alten Futter gemischt gefüttert werden, wobei der Anteil an neuem Futter allmählich erhöht wird.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihrem Pferd ausreichend Raufutter zur Verfügung steht. Verfüttern Sie niemals angeschimmeltes Heu oder sehr altes eingestaubtes Heu. Staubiges Heu kann vor dem Füttern in Wasser getaucht werden.
  • Seien Sie vorsichtig mit hochkonzentriertem Futter bei Ponys oder stehenden Pferden, da dies sehr schnell zur Verfettung und z. B. zu Hufrehe führen kann.
  • Sie sollten Ihrem Pferd Salz- und Minerallecksteine zur Verfügung stellen. • Füttern Sie Ihr Pferd nicht direkt vor oder nach dem Reiten. Lassen Sie Ihrem Pferd mindestens eine Stunde Zeit, sich zu erholen. Das gilt auch für das Tränken nach dem Reiten.
  • Wenn Ihr Pferd nicht genügend Wasser aufnimmt, kann es austrocknen oder eine Anschoppungskolik bekommen. Diese Gefahr besteht vor allem im Winter, wenn das Wasser sehr kalt ist. Es gibt verschiedene Wege, diesem Problem abzuhelfen:
    ◦ Heizungen für das Tränkebecken und die Zuleitungen verhindern das Einfrieren und halten das Wasser warm.
    ◦ Bei Eimertränkung sollten Sie das Wasser mehrmals täglich kontrollieren, eventuell vorhandenes Eis sorgfältig  
      entfernen und das Wasser erneuern.
    ◦ Eingeweichte Rübenschnitzel beinhalten viel Wasser und werden von den meisten Pferden gerne gefressen.
    ◦ Um Ihr Pferd zum Trinken zu veranlassen, können Sie seinem Futter Salz zufügen oder einen Salzleckstein anbringen.