Die Ehrlichiose (ANAPLASMOSE), eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit bei Hunden in Deutschland.

Der Quellenartikel wurde von Frau Gabriele Liebisch (ZECKLAB - Burgwedel) unter Mitarbeit der Tierärztlichen Klinik in Isernhagen erstellt. Wir geben eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten.

Schlagwörter: Monozytäre Ehrlichiose (CME) - Granulozytäre Ehrlichiose -Hund - Norddeutschland

Zusammenfassung:

Zecken schließen die wichtigsten Vektoren von Krankheiten in Deutschland ein. Ixodes ricinus stellt den Hauptvektor dar für die neu zum Vorschein kommenden Erkrankungen (emerging diseases), wie die Lyme Borreliose, bei Mensch und Tier. Jedoch werden durch Reisen in die Länder des Mittelmeerbasins mit Hunden auch Zecken (R. sanguineus ) und zeckenübertragene Infektionen häufig importiert.


 

Bei Routineuntersuchungen im Jahre 2003 fielen im Laboratorium von 28 erkrankten Hunden nach ihrer Rückkehr 8 als mit monozytärer Ehrlichiose infiziert auf. Die Diagnose wurde gestellt durch den Nachweis von Morulastadien von Ehrlichia canis in nach Giemsa gefärbten Blutausstrichen und weiter durch die PCR und den IFT bestätigt.


 

Die Erreger einer in Deutschland neu hervortretenden Erkrankung ("emerging disease") bei deutschen Hunden wurden gefunden, als für Lyme -Borreliose verdächtige Hunde auf die Infektion mit Rickettsien untersucht wurden. Die für die GCE charakteristischen Morulastadien von Anaplasma phagozytophilum konnten in neutrophilen Granulozyten bei 3 erkrankten Hunden nachgewiesen werden. Die Diagnose wurde mit Hilfe des IFT und der PCR bestätigt. Charakteristische Symptome waren von Anbeginn Fieber für 3-5 Tage (40-41°C), Anaemie und Thrombozytopenie. Bei den haematologischen Laboratoriumsuntersuchungen war eine ausgeprägte Thrombozytopenie ein wichtiger Indikator für eine Infektion mit Ehrlichia spec., der Anlaß für weitere Untersuchungen gab.

 

Einleitung

Zecken stellen neben den Stechmücken weltweit die bedeutendsten Überträger (Vektoren) von pathogenen Mikroorganismen dar. Das weite Spektrum der übertragenen Pathogene reicht von den Viren, den Rickettsien, Bakterien und Protozoen bis zu den Metazoen (Mikrofilarien). Auf Grund der für viele Zeckenarten in warmen Ländern besonders günstigen ökologischen Bedingungen, wie wir sie in vielen unserer südlichen Reiseländern finden, werden die zeckenübertragenen Erkrankungen bei Mensch und Tier vorwiegend als Reisekrankheiten angesehen (z.B. Babesiosen).

 

Jede der durch Zecken übertragenen Infektionen ist spezifisch für bestimmte Zeckenarten. Auch bei Hunden reflektieren die Infektionen gewöhnlich das Bild der Verbreitung der als Überträger geeigneten Zeckenarten. Jedoch hat sich in unserer modernen Zeit mit zunehmender Reisetätigkeit und dem Verbringen von infizierten Hunden in bisher nicht endemische Gebiete die geographische Verbreitung zeckenübertragener Erkrankungen nicht nur bei Hunden erweitert. Diese Erscheinung wird sehr wahrscheinlich auch durch die gegenwärtig zunehmende Erwärmung in klimatisch gemäßigten Breiten beeinflußt, die eine weitere Etablierung von Vektoren und Pathogenen außerhalb des bekannten Verbreitungsgebietes ermöglicht.


 

Ein weiterer wesentlicher Faktor, dem unseres Erachtens eine große Bedeutung zukommt, ist die Zunahme wissenschaftlicher Erkenntnisse über die lange Zeit unterschätzte und nicht bekannte Verbreitung von auch in gemäßigten Klimagebieten vorkommenden zeckenübertragenen Infektionen. So wurden fast ein halbes Jahrhundert lang in Deutschland nur das Virus der FSME beim Menschen und die Babesiose der Rinder durch Babesia divergens als wichtige einheimische und durch Ixodes ricinus übertragene Infektionen angesehen. Es stellte sich jedoch heraus, daß die in Europa am weitesten verbreitete und häufigste Zeckenart Ixodes ricinus ein hohes Vektorpotential für mehrere Erreger besitzt und auf Grund einer großen Anzahl befallener Wirtsarten einer der geeignetsten Überträger von pathogenen Keimen ist (8). Dies wurde bekannt, nachdem die zuerst 1981 in den USA beschriebene Lyme-Borreliose durch Borrelia burgdorferi auch in Europa als weit verbreitet erkannt wurde. Untersuchungen sprechen dafür, daß die Lyme-Borreliose offensichtlich sogar von Europa ihren Ausgangspunkt genommen hat. Bis heute gibt es jedoch noch Unsicherheiten und Zweifler in der Medizin und auch in der Veterinärmedizin, die zumindest teilweise die Pathogenität von B. burgdorferi oder die Erkrankung bestimmter Wirtsarten in Frage stellen. Nicht selten geschieht dies auf Grund unvollkommener Kenntnis der Epidemiologie (Verwechslung von Reservoirwirten mit Endwirten) der komplizierten Pathogenese und der verschiedenartigen Verlaufsformen in Zusammenhang mit der schwierigen Labordiagnostik ...

 

Daneben sind es in jüngster Zeit vor allem die Rickettsiosen, die zunehmendes Interesse in der Medizin und Veterinärmedizin gefunden haben. Bei Hunden sind hier in erster Linie die Ehrlichiosen zu nennen. Von diesen war die canine monozytäre Ehrlichiose (CME) als durch die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragene Urlaubserkrankung schon seit längerer Zeit bekannt. Das Vorkommen und die weite Verbreitung der durch Ixodes ricinus übertragenen caninen granulozytären Ehrlichiose (CGE) als autochthone Infektion in Europa sowie die weite Verbreitung mit Ehrlichien infizierter Zecken in Deutschland stellt jedoch eine weitgehend neue Erkenntnis in der Medizin und Veterinärmedizin dar (5,11). In der vorliegende Arbeit soll auf die während eigener diagnostischer Untersuchungen in Norddeutschland erkannten Ehrlichiosen bei Hunden aufmerksam gemacht werden ...

 

Die Infektionen mit Rickettsien und Ehrlichien bei Hunden

... Durch Zecken übertragene Rickettsien sind obligat intrazellulär lebende Parasiten, die sich bei den empfänglichen Wirten in Blutzellen bei den Vektoren in Hämozyten), bei Überträgern und Wirten in Zellen des Endothels des Darmes bzw. von Gefäßen finden und dort durch Teilung vermehren. In diesem Zyklus werden die übertragenden Zecken selbst zu Reservoiren, da sie zeitlebens und auch die folgenden Generationen in allen Stadien infiziert bleiben können. Die Zecken werden daher als ursprüngliche "Wirte" der Rickettsien angesehen. Erst während der Evolution und mit dem Übergang zur hämatophagen Lebensweise der Zecken gelangten diese Rickettsien in empfängliche Wirbeltierwirte, für die sie pathogen wurden...

 

Die Taxonomie der Rickettsien wurde erst jüngst reorganisiert (3). Dies betrifft auch die in der Medizin und Veterinärmedizin wichtigen Familien und Species Ehrlichia und Anaplasma. Die Nomenklatur der Krankheitsbezeichnungen folgte diesen Umbenennungen noch nicht. Der Begriff der Ehrlichiose blieb erhalten. So wird weiterhin der Erreger der caninen monozytären durch R. sanguineus übertragenen Ehrlichiose (CME) als Ehrlichia canis bezeichnet. Der Erreger der durch I. ricinus übertragenen caninen granulozytäre Ehrlichiose (CGE) wurde jedoch u.a. auf Grund seiner genetischen Verwandtschaft in Anaplasma phagocytophilum umbenannt. Dieser Erreger ist identisch mit dem für die humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE), für die Ehrlichiose der Wiederkäuer und der granulozytären Ehrlichiose der Pferde (vorher E. equi genannt) verantwortlichen Pathogen.
Beiden Arten der Ehrlichien ist gemeinsam, daß sie in weißen Blutzellen parasitieren, diese schädigen und zerstören. Der Zyklus der Ehrlichien bei der Infektion von Blutzellen verläuft in drei Phasen...

 

Von 28 im Jahre 2003 auf sog. Reisekrankheiten untersuchten Hunden erwiesen sich 8 als mit Ehrlichia canis infiziert. Mit Hilfe der PCR wurden die Erreger bei 5 Hunden im Blut, bei 2 im Lymphknoten und bei einem im Knochenmark nachgewiesen. 


 

Die bislang in Deutschland beschriebenen Erkrankungsfälle an Ehrlichiose bei Hunden wurden bisher in Zusammenhang mit Hunden gesehen, die sich die Infektion nach Aufenthalt in südlichen Ländern ("tropische Panzytopenie der Hunde") zugezogen hatten. Daher sind auch in deutschsprachigen Lehrbüchern der Hundekrankheiten nur die durch den Erreger Ehrlichia canis verursachten Erkrankungen als relevant beschrieben (4,12). Diese Ehrlichienspezies wird durch die Zeckenart Rhipicephalus sanguineus ( braune Hundezecke, Tabelle 1 und Abb. 5) übertragen. Bei dieser dreiwirtigen Zeckenart, die in allen Stadien vorwiegend an Haushunden parasitiert, sind die Larven, Nymphen und Adulti infiziert.

 

Vorkommen bei Hunden in Deutschland

Aus unseren eigenen diagnostischen Untersuchungen wurde in Übereinstimmung mit anderen Berichten die Infektion mit E. canis in den vergangenen Jahren wiederholt nur bei Hunden gefunden, die direkt aus dem Ausland (warmen Klimagebieten), importiert worden waren oder dort einen Aufenthalt hatten. Die Hunde hatten Aufenthalte vorwiegend in den Anrainerstaaten des Mittelmeerbeckens auf dem europäischen, afrikanischen und asiatischen Kontinent. Ein Teil von Erkrankungsfällen spiegelte in der Herkunft oder dem Aufenthalt der Hunde auch gewisse Veränderungen im Beliebtheitsgrad der Reiseländer wider, z.B. in jüngerer Zeit die Zunahme der Fälle aus der Türkei. Die Verbreitung der Infektion erwies sich damit auch als übereinstimmend mit dem natürlichen Verbreitungsraum von R. sanguineus. Autochthone deutsche Infektion mit E. canis, an die in Zusammenhang mit der Einschleppung und vorübergehenden Etablierung der braunen Hundezecke in vielen Wohnungen und anderen Innenräumen nördli ch der Alpen zu denken ist, sind uns bisher nicht bekannt geworden. Wir führen dies zurück auf die für die Infektion notwendige Populationsdichte der Zecken als Reservoir und Überträger sowie auf das Fehlen einer enzootischen Verbreitung infizierter Hunde als Reservoir für E. canis.

 

Diagnose der caninen monozytären Ehrlichiose

Da die Symptome der Ehrlichiose beim Hund in den klassischen Lehrbüchern der Hundekrankheiten gut beschrieben sind soll hier vor allem die differentialdiagnostische Labordiagnose beschrieben werden. 
Einen starken Hinweis gibt der Vorbericht vom Aufenthalt oder der Herkunft des Hundes aus einem Verbreitungsgebiet der braunen Hundezecke. Das Auftreten von mehreren, über mehrere Tage anhaltenden Fieberschüben ( über 40 o C) ist ein wesentliches Symptom für die Ehrlichiose generell, dessen Pathogenese sich aus der Vermehrung der Ehrlichien erklärt. Bei dem entsprechenden Vorbericht wird dabei zunächst auch an die Babesiose gedacht werden (Koinfektionen ! s. unten). Je nach der akut bis chronisch verlaufenden Krankheit wurden staupeähnliche Symptome mit Nasen- und Augenausfluß, Lymphknoten- und Milzschwellung, Inappetenz , Störungen des ZNS, Ikterus und Ödeme beschrieben. Viele der Symptome sind unspezifisch. Da Koinfektionen mit einer Reihe von anderen Erregern aus warmen Klimagebieten nicht selten sind (z.B. mit Babesien und Leishmanien), erhebt sich bei einigen in der Fachliteratur beschriebenen Symptomen (z. B. Hautsymptomen) die Frage, ob diese Krankheitsfälle ätiologisch ausreichend ab geklärt wurden...

 

Die Inkubationszeit, die bei experimentellen Infektionen mit dem Erscheinen der Morulastadien im peripheren Blut gleichzusetzen ist, wird nach experimentellen Infektionen mit 3-5 Tagen angegeben (10).

 

Die canine granulozytäre Ehrlichiose (CGE)

Die canine granulozytäre Ehrlichiose ist eine der erst in jüngerer Zeit in ihrer Bedeutung entdeckten durch Zecken übertragenen Infektionen , die in der englischensprachlichen Fachliteratur gleich der Lyme-Borreliose den neu zum Vorschein kommenden Krankheiten (" emerging diseases") zugerechnet wird. Die inzwischen aus vielen europäischen Ländern auch bei Hunden bekannt gewordene Infektion (Schweden, England, Frankreich, Belgien, Schweiz und Italien) gehört dazu. Sie verdankt ihre weite Verbreitung der Ökologie und Biologie ihres wichtigsten Überträgers und Reservoirs, der Schildzeckenart Ixodes ricinus (Abb.6) Die Entdeckung der Infektion steht in engem Zusammenhang mit der Erforschung der Lyme-Borreliose. Beide Pathogene, Borrelien und Ehrlichien, werden durch die gleichen Zeckenarten übertragen.

 

So wurde die Infektion zuerst in den USA und später auch in Deutschland in der Humanmedizin als Human Granulozytic Ehrlichiosis (HGE) beschrieben (6). Erhöhte AK-Titer gegen Ehrlichia spec. wurden in 5-16% der Blutseren von 4332 Forstarbeitern in Baden -Würrtemberg gefunden (11). Das Vorkommen von A. phagozytophilum in Zecken wurde bei der Untersuchung von 5424 im Freiland gefangenen Larven, Nymphen und Adulti von I. ricinus bei 103 Zecken (=1.9%) in 11 Untersuchungsgebieten mit Hilfe der PCR ermittelt (5). Obwohl Erkrankungen von Menschen in Deutschland, die ätiologisch sicher auf HGE zurückzuführen waren, bisher nur in einem aus Kansas/USA importierten Fall bekannt wurden, wird das Infektionsrisiko für Deutschland auf Grund der o. gen. Prävalenz des Erregers in Zecken als hoch eingeschätzt. Zudem ist unbekannt, wie hoch der Anteil von Ko-Infektion mit Borrelien ist. Aus den USA wird über akute Erkrankungen beim Menschen fast ausschließlich in den Sommermonaten berichtet. 53 % der bisher von dort bekannten Patienten wurden hospitalisiert, 5% starben (6).

 

Ätiologie

Die Infektion wird in Deutschland durch den Stich von infizierten Zecken der Schildzeckenart Ixodes ricinus übertragen. Daneben existieren vermutlich noch andere Zeckenarten als Überträger zweiter Ordnung. Der Erreger wird nach der neuen Taxonomie auf Grund genetischer und molekularbiologischer Kriterien als Anaplasma phagozytophilum bezeichnet (3). Die Benennung der Krankheit blieb bei der Ehrlichiose. Einmal an einem bakteriämischen Wirt infizierte Zecken bleiben über alle Stadien infiziert. Die Erreger persistieren in den Speicheldrüsen der Zecken und werden bei der nächsten Blutaufnahme weiter gegeben...

 

Vorkommen

Von der Infektion sind Menschen, Haustiere und Wildtiere - d.h. alle Wirte von Ixodes ricinus betroffen (8). Sie dürfte damit etwa eine ähnlich weite Verbreitung wie Borrelia burgdorferi in Zecken finden. Die Erreger wurden in Zecken auch auf Vögeln nachgewiesen. Systematische Untersuchungen zur Verbreitung des Erregers in Deutschland liegen bisher nur in den Arbeiten aus Baden-Würrtemberg vor (5,11).

 

Symptome

Die Inkubationszeit wurde aus experimentellen Infektionen bekannt. Sie beträgt ca. eine Woche und ist damit etwa mit der ersten Phase der Vermehrung des A. phagozytophilum bis zum Morulastadium in den neutrophilen Granulozyten und deren Zerstörung identisch. Die Körpertemperatur erhöht sich für 3 Tage auf 40-41°C, um danach wieder abzufallen. Danach kommt es zu wiederholten Fieberschüben in Abständen von ca. 2-3 Wochen, die von unspezifischen Symptomen, wie gestörtem Allgemeinbefinden, Inappetenz und Anorexie, Lethargie sowie Depression begleitet werden. Insgesamt ähneln die Symptome denen, die auch bei der CME angetroffen werden. In den von uns in Norddeutschland beobachteten 3 Fällen gehörten hierzu Anämie, Icterus, Spleno- und/oder Hepatomegalie, Vomitus und Dyspnoe. Fieber gehört eindeutig zu den Symptomen der akuten Phase, ebenso zentralnervöse Störungen, die auf Entzündung und Blutungen in den Hirnhäuten zurückzuführen sind. Akute und chronische Verlaufsformen treten auf. Die subklinische Phase kann je nach der Immunkompetenz des Wirtes mehrere Wochen andauern, um dann plötzlich durch erneutes Fieber einen weiteren Krankheitsschub anzuzeigen. Diese gehen regelmäßig mit einer Thromzytopenie einher, die man geradezu als Indikator ansehen kann. Mehrere Patienten wurden auf Grund ihrer während der Erkrankung aufgetretenen Thrombozytopenie als Verdachtsfälle für Ehrlichiose erkannt und anschließend durch Nachweis der Morulastadien von Ehrlichien in Granulozyten im peripheren Blutausstrich und/oder mit Hilfe der PCR und des IFT bestätigt.

 


Aussagen über den Zeitpunkt der Erstinfektion oder die Dauer der Infektion waren nicht möglich, da alle für Infektion mit Ehrlichien verdächtigen Hunde eine mehr oder weniger umfangreiche Vorgeschichte hatten, die an eine zeckenübertragene Infektion denken ließen. Mit Ausnahme eines aus Polen importierten Mischlings hatte jedoch keiner der Hunde einen Aufenthalt außerhalb der Grenzen Deutschlands. Die Infektionen müssen daher als autochthon angesehen werden.

 

Therapie der Ehrlichiosen (CME und CGE)

Für die Therapie von durch Zecken übertragenen Rickettsien bieten sich als Mittel der Wahl die neueren Tetracycline an (1). Diese sind auf Grund ihrer guten Lipoidlöslichkeit und hoher Gewebegängigkeit in der Lage auf die intrazellulär liegenden Rickettsien in starkem Maße bakteriostatisch zu wirken. Als besonders geeignet erwies sich das Doxycyclin. Mit Penicillinen wurden keine Erfolge erzielt. Mit gutem Erfolg wurden sowohl bei der Therapie der CMO als auch der CGE klassische Tetracycline 3x täglich 22 mg/kg für 14 Tage oder besser Doxycyclin in der Dosis von 10 mg/kg (max. 25 mg/kg) einmal täglich über 10 Tage angewendet. Nach unseren bisherigen Erfahrungen war das für die Humanmedizin zugelassene Doxycyclin dem Veterinärpräparat überlegen. Das Antibioticum kann auch oral appliziert werden. Eine anfängliche Injektion während der ersten 3 Tage kann empfohlen werden. Nach Therapie mit Tetra- (bzw. Doxy-) cyclin wurden die Patienten frei von den Parasiten.

 

Ko-Infektionen

Ko-Infektionen bei zeckenübertragenen Infektionen sind nicht selten. Die gleichen Zeckenarten können mehrere Pathogene beherbergen. In Ixodes ricinus wurden so simultane Infektionen mit Borrelia burgdorferi s.l. und Ehrlichia spec. nachgewiesen. Ob der eine oder andere Erreger auch beim Stich der Zecke auf den empfänglichen Wirt übertragen wird hängt von vielen Faktoren, vor allem der Entwicklungszeit der Pathogene in der Zecke ( z.B. Befall der Speicheldrüsen) ab.

 


Glücklicherweise (oder je nachdem auch unglücklicherweise) sind die für die Therapie geeigneten Tetracycline sowohl gegen Borrelien als auch gegen Rickettsien (Ehrlichien) sehr wirksam. Hierdurch entziehen sich möglicherweise viele Infektionen der ätiologisch genauen Diagnose.
Eine ähnliche Situation findet sich bei der Diagnose der Babesiose (Babesia canis vogeli) und der Caninen Monozytären Ehrlichiose. Beide Pathogene werden durch die gleiche Zeckenart Rhipicephalus sanguineus übertragen. Sie kommen im gleichen geographischen Raum und bei dem gleichen Wirt, dem Haushund, vor. In akuten Fällen sollte die Babesieninfektion durch den mikroskopischen Nachweis der Erreger in den Erythrozyten und charakteristische Symptome ( wie Hämoglobinurie) abtrennbar sein. Zumindest Im Früstadium, bei latenten Infektionen und bei chronischen Verlaufsformen, bei denen nur sehr wenige Pathogene im Blutausstrich zu finden sind, kann bei beiden Infektionen die Diagnose nur mit molekularbiologischen Methoden gesichert (PCR, IFT) werden. Als Hinweis auf die Häufigkeit von Ko-Infektionen mit Babesien und Rickettsien (Ehrlichien) können die in Publikationen anzutreffenden Therapieempfehlungen bei der Therapie der Babesiose mit Imidazol und zusätzlichen Gaben von Tetracycli nen angesehen werden.

 

Infektionsprophylaxe durch Zeckenabwehr

Die Infektionsprophylaxe gegenüber der Ehrlichiose ist leider bisher als Impfung oder mit spezifischer Chemoprophylaxe nicht möglich. Die vorbeugenden Maßnahmen müssen sich daher auf den Schutz vor Zeckenbefall konzentrieren. Hierbei sind die für die Anwendung beim Menschen entwickelten und eingesetzten Präparate (z.B. DEET, BAYREPEL, AUTAN®) jedoch bei Tieren kaum anwendbar oder die Formulierungen ungeeignet (7).

 


Der beste bisher bekannte Wirkstoff, der gegen verschiedene Arten von Arthropoden repellierend wirkt, ist das Permethrin. Dieses synthetische Pyrethroid wirkt in der Abhängigkeit von Dosis und Zeit repellierend und darüber hinaus als Insektizid. In eigenen Untersuchungen bei der Zulassung und Einführung des Permethrin in Deutschland in der Mitte der 80er Jahre ( Wellcare Spray, Wellcare Emulsion und Exspot® durch die Welcome GmbH , jetzt ESSEX TIERARZNEI, München) wurde die Wirksamkeit gegen Zecken (I. ricinus, R. sanguineus ), Flöhe, Stechmücken, Gnitzen, Fliegen und Bremsen im Laboratorium und in der Praxis nachgewiesen. Die repellierende Wirkung geht nach der topikalen Applikation der insektiziden Wirkung zeitlich voraus. Die Repellenswirkung ist bei der 65% igen Konzentration im Präparat EXSPOT besonders gut gegen Zecken.


 

Flöhe und Dipteren werden im Sinne eines "hot feed" Effektes über die Sin neszellen an den Tarsen in nervöse Erregungszustände versetzt und sterben ab ehe sie stechen können. Ähnlich ist die Entfaltung der repellierenden Wirkung gegenüber von Zecken, die bei Zecken über das Hallersche Organ am ersten Beinpaar und die Pedipalpen erfolgt. Bei Zecken tritt die Abhängigkeit von der auf dem Fell verfügbaren Wirkstoffmenge besonders deutlich hervor. Mit durch Permethrin haltigen Bädern wird die größere Wirkstoffmenge in das Fell verbracht. Gewaschene Hunde sind am besten und längsten geschützt. Die pour-on Formulierungen sind leichter und einfacher zu applizieren Sie erbringen ebenfalls eine gute bis sehr gute Wirksamkeit. Man sollte jedoch bedenken, daß die regelmäßigen Wiederholungen der Behandlungen für eine gute Zeckenprophylaxe vor allem in endemischen Gebieten genau eingehalten werden, da die bei der Pour-on-Applikation aufgebrachten Wirkstoffmengen relativ geringer sind.

 

Anschrift der Autoren
Dr. Gabriele. Liebisch
ZeckLab, Laboratorium für klinische Diagnostik und Prüfung

 

Tabelle 1: Beim Hund vorkommende Rickettsien, Rickettsiosen, Vektoren und deren geographische Verbreitung

 

Literaturverzeichnis

 

1. Beaufils J-P. Clinique, biologie et traitment de l'ehrlichiose chez le chien et le chat. Maladies transmisses par les tiques, forum international sur les tiques et les maladies associées, 28.- 29. mai 1997, Boston USA, Cashier du Vetomecum Oct. 1997, 13-26.
2. Davoust B. L'ehrlichiose canine. Point Vét 1993; 25 (151): 43-51.
3. Dummler J S, Barbet A F, Bekker C P J, Dasch G A, Palmer G H, Ray S C, Rikihisa Y, Rurangirwa F.R. Reorganisation of genera in the families Rickettsiaceae and Anaplasmaceae in the order Rickettsiales: unification of some species of Ehrlichia with Anaplasma, Cowdria with Ehrlichia and Ehrlichia with Neorickettsia, descriptions of six new species combinations and designation of Ehrlichia equi and 'HGE agent' as subjective synonyms of Ehrlichia phagocytophila. Int J Syst Evolut Microbiol 2001; 51: 2145-2165.
4. Freudiger U. Rickettsiosen und Neorickettsiosen. In: Freudiger, U., Grünbaum, E.-G. und E. Schimke (Hrsg), Klinik der Hundekrankheiten, Ferdinand Enke Verlag Stuttgart, 2. Auflage 1997, 892-894.
5. Hartelt K, Oehme R, Frank H, Brockmann S O, Hassler D, Kimmig P. Pathogens and symbionts in ticks: prevalence of Anaplasma phagocytophilum (Ehrlichia sp.), Wolbachia sp., Rickettsia sp., and Babesia sp., in Southern Germany. Int J Med Microbiol 2004; (in press).
6. Kimmig P, Hassler D., Braun R. Zecken. Kleiner Stich mit bösen Folgen. Rathgeber Ehrenwirth, 2000.
7. Liebisch A, Liebisch G. Schutz vor Zecken und Infektionsprophylaxe. In: Horst, H. (Hrsg): Zeckenborreliose Lyme-Krankheit bei Mensch und Tier. Spitta Verlag, Balingen, 2003; 4. Auflage, 241-248.
8. Liebisch A, Liebisch G. Biologie und Ökologie der Zecken. In: Horst, H. (Hrsg): Zeckenborreliose Lyme-Krankheit bei Mensch und Tier. Spitta Verlag, Balingen, 2003; 4. Auflage, 32-48.
9. Liebisch A, Liebisch G. Zur Diagnose wenig bekannter einheimischer durch Zecken übertragener Infektionen bei Hunden in Deutschland. Praktischer Tierarzt 1999; 80 (6): 474-482.
10. Nyindo M B A, Ristic M., Huxsoll D L, Smith A R. Tropical canine pancytopenia: in vitro cultivation of the causative agent - Ehrlichia canis. Am. J Vet Res 1971; 32, 1651 - 1658.
11. Oehme R.,Hartelt K, Backe H, Brockmann S, Kimmig P. Foci of tick-borne disease in Southwest Germany. Int J Med Microbiol 2002; 291, 22-29.
12. Suter F. Ehrlichiose (tropische Panzytopenie der Hunde, canine Rickettsiosis). In: Niemand, H.G. und P.F. Suter (Hrsg.), Praktikum der Hundeklinik, Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin 1994, 8. Auflage, 236-237.
13. Zahler M, Gothe R. Endemisierungsrisiko von Babesia canis durch Dermacentor reticulatus in Deutschland. Eine epidemiologische Studie. Tierärztl Prax 1997; 25: 388-392.
14. Zahler M, Gothe R. Ein neuer Naturherd der Buntzeckenart Dermacentor marginatus in Bayern - Risiko einer weiteren endemischen Ausbreitung der Hundebabesiose. Tierärztl Prax 2001, 29 (K): 121-123.
15. Zahler M., Schein E., Rinder, H. Gothe R. Characteristic genotypes discriminate between Babesia canis isolates of differing vector specifity and pathogenicity to dogs. Parasitol Res 1998, 84 (7): 544-548

 

Tabelle 1

Erreger Krankheit Vektoren Verbreitung
Ehrlichia canis Canine monozytäre Ehrlichiose Rhipicephalus sanguineus weltweit; tropisch/gemäßigt
E. chaffensis Canine monozytäre Ehrlichiose Amblyomma americanum südl. USA, Zentral- u.
E. ewingii Canine granulozytäre Ehrlichiose A. americanum Südamerika
Anaplasma phagozytophilum Canine granulozytäre Ehrlichiose Ixodes spp. weltweit
Anaplasma platys Zyklische canine Thrombozytopenie unbekannt Südl. U S A, Europa, Südamerika, Japan
Rickettsia rickettsii Rocky Mountain spotted fever Dermacentor variabilis,

D. andersoni
Nordamerika
Rickettsia slovaca Pathogenität ? Dermacentor marginatus Europa
Coxiella burnetii Q-Fieber Dermacentor marginatus Europa