Atemwegserkrankungen des Pferdes

Pferde und Ponys können an vielen verschiedenen Atemwegserkrankungen leiden. Es gibt eine ganze Reihe von Ursachen, die Erkrankungen des Atmungsapparates hervorrufen können. Diese reichen von infektiösen Ursachen über anatomische Missbildungen bis hin zu Allergien. Die Schwere der verschiedenen Erkrankungen variiert ebenfalls sehr stark. Husten ist das Hauptsymptom vieler Atemwegserkrankungen, andere Symptome sind Nasenausfluss oder abnormale Atemgeräusche. Sollten Sie irgendwelche Veränderungen in der Atmung Ihres Pferdes feststellen, ist es in jedem Fall notwendig, einen Tierarzt zurate zu ziehen.

 

Was ist der Atmungsapparat?

Das Wort "Atmungsapparat" ist ein Sammelbegriff, der alle Organe und Strukturen zusammenfasst, die für die Atmung zuständig sind. Dazu gehören Nase, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre und Lunge.

 

Was sind die häufigsten Ursachen für Atemwegserkrankungen des Pferdes?

Die häufigsten Ursachen für Atemwegserkrankungen des Pferdes können in die folgenden Gruppen eingeteilt werden:

 

1. Infektionen
... durch Viren und Bakterien
Die zwei schwerwiegendsten Erkrankungen dieser Gruppe sind Influenza (verursacht durch ein Virus) und Druse (verursacht durch ein Bakterium). Aufgrund ihrer infektiösen Ursache sind diese Krankheiten sehr ansteckend und werden deshalb sehr leicht von Pferd zu Pferd übertragen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, diese Krankheiten so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln. Andere infektiöse Erkrankungen des Atmungsapparates werden durch Herpesviren, Adenoviren und Rhinoviren hervorgerufen und sehr häufig durch verschiedene Bakterien verschlimmert. Fohlen und junge, noch nicht ausgewachsene Pferde sind sehr anfällig für Atemwegserkrankungen und sollten deshalb besonders sorgfältig beobachtet werden. Rufen Sie Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung!

 

2. Parasitenbefall

Parasiten sind Organismen, die entweder auf oder in einem Wirtstier leben und sich von diesem ernähren. Pferde werden von verschiedenen Parasiten befallen, davon sind Würmer die häufigste Gruppe. Lungenwürmer verbringen einen Teil ihres Lebenszyklus in der Lunge und in anderen Bereichen des Atmungsapparates von Pferden und Ponys. Sie verursachen einen chronischen Husten. Ungefähr 70% aller Esel sind mit Lungenwürmern infiziert, zeigen aber nur sehr selten Symptome. Aus diesem Grund sind Pferde oder Ponys, die zusammen mit Eseln gehalten werden, einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

 

3. Allergien

So wie Menschen auf Pollen und Staub allergisch reagieren können indem sie einen "Heuschnupfen" entwickeln, so können auch Pferde allergisch reagieren. Diese durch Allergien hervorgerufenen Atemwegserkrankungen werden heute unter dem Fachbegriff der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD vom englischen Begriff "chronic obstructiv pulmonary disease") zusammengefasst. Der Begriff beschreibt eine Erkrankung, die dem Asthma des Menschen sehr ähnlich ist. Dabei lösen Pollen oder andere reizende Stoffe eine allergische Reaktion aus, die zu einer Verengung der Luftwege führt. Dies verursacht Husten, Leistungsminderung und führt in schweren Fällen zu Atemgeräuschen und Atemnot. Während einige Pferde auf Inhaltsstoffe im Heu allergisch reagieren und vor allem im Winter die beschriebenen Symptome zeigen, gibt es andere Pferde, deren Zustand sich gerade bei Weidegang verschlechtert, da sie auf Pollen, die zu wärmeren Jahreszeiten auftreten ("Sommer- oder Weideallergiker") allergisch reagieren. Die COPD kann im Extremfall zur Dämpfigkeit führen.

 

4. Anatomische Missbildungen

Pferde können anatomische Missbildungen innerhalb des oberen Atmungsapparates (Rachen, Kehlkopf, weicher Gaumen, Trachea) entwickeln, die zu einer teilweisen Verlegung der Luftwege führen können. Dies verursacht eine Behinderung der Atmung und kann zu abnormalen Atemgeräuschen führen, wie beispielsweise beim Kehlkopfpfeifer. Große Pferderassen, v.a. Warmblüter, sind am Häufigsten betroffen. In den meisten Fällen kommt es zu einer Verschlimmerung der Symptomatik je schwerer das Pferd gearbeitet wird. Diese Art der Atemwegserkrankungen kann meist erfolgreich durch chirurgisches Eingreifen behandelt werden.

 

5. "Lungenbluter"

"Lungenbluter" leiden unter Exercise-induced pulmonary haemorrhage (EIPH). In den meisten Fällen handelt es sich um Rennpferde. Allerdings kann prinzipiell jedes Pferd betroffen sein. Nach schwerer Arbeit, häufig nach einem Rennen, zeigen diese Pferde Nasenbluten. Es ist bekannt, dass das Blut aus der Lunge stammt und damit ein ernsthaftes Problem darstellt. Obwohl diese Krankheit noch nicht ganz erforscht ist, wird heute angenommen, dass die Blutung durch den hohen Blutdruck verursacht wird, dem die kleinen Gefäße während extremer Belastung ausgesetzt sind.

 

Was sind Anzeichen einer Atemwegserkrankung?

Erste Anzeichen einer Atemwegserkrankung sind:

  • Husten, vor allem während des Fressens, während des Ausmistens oder in den ersten paar Minuten des Reitens
  • Nasenausfluss- klar und dünnflüssig, später weißlich-schleimig, manchmal gelblich wie Eiter
  • Pfeifende Atemgeräusche
  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Erhöhte Atemfrequenz (normal = 8-20 Atemzüge pro Minute)
  • Umfangsvermehrungen im Kopfbereich ( vor allem bei Druse)

In weiter fortgeschrittenen Fällen kommt es zu einer Verschlimmerung der aufgelisteten Symptome und zu Konditions- und Gewichtsverlust. Bei manchen Pferden können auch plötzliche Anfälle von akuter Atemnot auftreten.

 

Anzeichen einer akuten Atemwegserkrankung mit Atemnot sind:

  • Erhöhter Puls (normal sind 30-50 Herzschläge pro Minute)
  • Schwitzen
  • Geblähte Nüstern
  • Erhöhte Körpertemperatur (normale Temperatur ist 37.0-38.0)
  • Sichtbare Anstrengung der Bauchmuskulatur während der Atmung

Was soll ich tun, wenn mein Pferd diese Symptome zeigt?

  • Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Pferd auf irgendetwas in seiner Umgebung allergisch reagiert, führen Sie es zu einem möglichst staubfreien, sauberen Ort (am Besten draußen), weg von möglichen Allergenquellen (Heu, Stroh etc.).
  • Halten Sie Ihr Pferd von anderen Pferden fern, da einige Atemwegserkrankungen (z.B. Influenza und Druse) hoch ansteckend sind.
  • Messen Sie die Temperatur, den Puls und die Atemfrequenz Ihres Pferdes und halten Sie die Werte schriftlich fest.
  • Rufen Sie unverzüglich Ihren Tierarzt an und berichten Sie ihm genau, was passiert ist. Teilen Sie ihm die gemessenen Werte mit.
  • Geben Sie Ihrem Pferd kein Futter und reiten Sie es nicht ohne vorherige Absprache mit Ihrem Tierarzt.
  • Bieten Sie Ihrem Pferd ständigen Zugang zu frischem, sauberem Wasser, um eine Austrocknung zu verhindern.

Was wird mein Tierarzt tun?

Als Erstes muss Ihr Tierarzt genau darüber Bescheid wissen, was in den Tagen passiert ist, bevor Ihr Pferd die ersten Anzeichen gezeigt hat. Dazu wird er Sie ausführlich über die Lebensumstände Ihres Pferdes befragen:

  • Art der Haltung
  • Arbeitspensum
  • Fütterung
  • Impfungen
  • Kontakt zu anderen Pferden
  • Stressige Situationen (z.B. lange Hängerfahrt)
  • Veränderungen in der Symptomatik, z.B. vom Wetter abhängig

Ihr Tierarzt wird dann Ihr Pferd untersuchen. Die Untersuchung umfasst üblicherweise:

  • Messung der Temperatur, des Pulses und der Atemfrequenz
  • Nasenausfluss: Ist er einseitig? Wie sieht er aus? Hat er einen üblen Geruch?
  • Husten: Ist er eher trocken oder produktiv, oberflächlich oder tief, usw.?. Ihr Tierarzt wird eventuell auch versuchen, Husten durch Druck auf den Kehlkopf auszulösen.
  • Abhören der Luftröhre und der Lunge von beiden Seiten mit einem Stethoskop. Während dieser Untersuchung muss es unbedingt ruhig in der Umgebung sein! Durch diese Methode ist es Ihrem Tierarzt möglich, abnormale Lungengeräusche zu hören. Um ein tieferes Einatmen hervorzurufen werden für kurze Zeit die Nüstern Ihres Pferdes mit der Hand verschlossen.
  • Ein flexibles Endoskop kann über die Nase in die Luftröhre Ihres Pferdes eingeführt werden. Dadurch können die oberen Atemwege auf Verlegungen und anatomische Missbildungen hin untersucht werden.
  • Während der endoskopischen Untersuchung kann aus der Luftröhre eine Flüssigkeitsprobe entnommen werden. Diese wird später im Labor auf Zellen untersucht, die auf eine Infektion oder Entzündung hinweisen.
  • Eventuell wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt.
  • In manchen Fällen, vor allem bei Fohlen können Röntgenbilder weiterhelfen.

Wie bereits oben erwähnt, können Pferde an vielen verschiedenen Atemwegserkrankungen leiden. Durch die aufgelisteten diagnostischen Maßnahmen ist es möglich, den exakten Ort und die Art der Erkrankung zu bestimmen. Dies ist unerlässlich für eine erfolgreiche Behandlung.

 

Wie kann ich Atemwegserkrankungen verhindern?

Während einige Atemwegserkrankungen ganz einfach verhindert werden können, gibt es andere, bei denen die einzige Möglichkeit, sie zu verhindern, darin besteht, sein Pferd so fit wie möglich zu halten, damit es weniger anfällig ist.

 

Influenza und andere Infektionen

Es gibt Impfungen gegen Influenza und Herpes. Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd regelgerecht geimpft ist, und dass die notwendigen Auffrischimpfungen regelmäßig durchgeführt werden.

 

Lungenwürmer

Ein gewissenhaft durchgeführtes Entwurmungsprogramm vermindert das Risiko einer Ansteckung mit Lungenwürmern beträchtlich. Ihr Tierarzt ist Ihnen gerne behilflich, ein effektives Entwurmungsprogramm für Ihr Pferd zu entwickeln.

 

Allergien

Wenn Ihr Tierarzt bei Ihrem Pferd eine Allergie als Ursache seiner Probleme diagnostiziert hat, müssen Sie Veränderungen an Haltung und Fütterung vornehmen. Sie müssen Vorkehrungen treffen, damit Ihr Pferd den auslösenden Allergenen so wenig wie möglich ausgesetzt wird.

Folgende Regeln sollten bei einem "Stauballergiker" eingehalten werden:

  • Streuen Sie die Box Ihres Pferdes mit Sägespäne oder Papierschnitzel ein. Verwenden Sie auf keinen Fall Stroh!
  • Streuen Sie nicht zu hoch ein und halten Sie die Box immer sauber.
  • Stellen Sie Ihr Pferd nach draußen, während Sie seine Box misten und warten Sie mindestens eine Stunde, bevor Sie es in seine Box zurückbringen.
  • Tränken Sie das Heu vor dem Fressen.
  • Stellen sie sicher, dass Ihr Pferd nicht in einem stickigen, schlecht belüfteten Stall steht. Ratsam sind Außenboxen und Offenställe.
  • Idealerweise sollten alle Pferde, die mit Ihrem Pferd im selben Stall stehen, gleich behandelt werden.
  • Der Misthaufen sollte so weit entfernt wie möglich vom Stall sein.
  • Putzen Sie Ihr Pferd immer draußen und auf keinen Fall in seiner Box.
  • Sollte es sich bei Ihrem Pferd um einen "Sommerallergiker" handeln, stellen Sie es nicht auf die Weide, solange die Pollen fliegen, auf die es allergisch reagiert.

Ein allergisches Pferd erfordert die enge Zusammenarbeit von Ihnen mit Ihrem Tierarzt und dem Stallbesitzer, wenn Sie Ihr Pferd in einem Pensionsstall stehen haben.