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Tierärztliche Klinik Teil einer ZDF-Verfilmung: Die bewegende Moor-Rettung zweier Pferde und ihrer Reiterinnen.

Eine nervenaufreibende Großtierrettung wird Thema bei ZDF-Fernsehreihe „Terra X press“

 

Fast 100 Helfer retten zwei Pferde aus Moor“ titelte der NDR, „Pferde stecken im Moor in Altwarmbüchen fest“ schrieb die HAZ und auch die Bild kommentierte: „Navi führte Reiter ins Moor“. Was sich auch für Nicht-Reiter wie ein Alptraum skizziert, passierte tatsächlich im März diesen Jahres unweit von unserer Klinik entfernt. Nachdem die zwei Reiterinnen sich einer Reitwege-App bedienten, landeten sie schließlich mitten im Altwarmbüchener Moor. Dort drohten ihre Pferde im Morast zu versinken. Sie setzten einen Notruf via Handy ab und die Suche begann. Diese gestaltete sich im unübersichtlichen Moorgebiet als überaus schwierig. Dennoch gelang es den Einsatzkräften die Reiterinnen ausfindig zu machen. Da die Bodenverhältnisse es nicht zuließen weiter zu fahren, begaben sich Feuerwehr und unser Fachtierarzt Dr. Enno Allmers zu Fuß zum Einsatzort. Die Stimmung angespannt, die Pferde geschwächt – und lange keine Lösung in Sicht. Der Grund: Kräne, Trecker oder Hubschrauber sind aufgrund der Boden- und Waldverhältnisse nicht einsatzfähig. Die gängigen Rettungsmittel somit keine Option. Die Zeit tickend im Rücken, fällt schließlich die rettende Idee: Siebdruckplatten aus dem Baumarkt, mit der rauen Seite nach oben gelegt, damit die Pferde auf ihnen Halt finden, als Weg aneinandergereiht und somit begehbar. Es muss schnell gehen, dessen ist sich hier jeder bewusst und doch dauerte die aufwendige Aktion Stunden. Bis spät in die Nacht sind Feuerwehr, THW, Polizei und Tierarzt vor Ort und schließlich gelingt es mit Herzblut und vereinten Kräften die Pferde zu bergen. Die Erleichterung steht Allen ins Gesicht geschrieben, die Tiere haben den Einsatz gut überstanden und sind wohl auf.

 

Soviel zur Story, auf die schließlich auch das ZDF aufmerksam wurde. Der Sender plant nun in seiner Reihe" Terra X press" die bewegende Geschichte nochmals zu erzählen. Der unermüdliche Wille, der kreative Rettungsansatz, das Durchhaltevermögen und Zusammenspiel von fast 100 Einsatzkräften wird nun noch in diesem Jahr im TV ausgestahlt. Und da wir damals Teil des Rettungsteams sein konnten, werden auch wir gleich mit verfilmt. Einen kleinen Einblick in die spannenden Dreharbeiten mit den Original-Protagonisten wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Den genauen Sendetermin geben wir hier gerne bekannt.

 
5.Informationen Pferd Bilder

 Magengeschwüre beim Pferd? Das gibt’s doch gar nicht – oder doch?

Auch wenn es uns Pferdebesitzern irgendwie unwahrscheinlich erscheint, weil wir womöglich selten davon hören: Pferde erkranken häufiger an Magengeschwüren, als man denkt. Die Diagnose gestaltet sich dabei oft schwierig, da die klinischen Symptome sehr unspezifisch sind. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb Magenulzera bei Pferdebesitzern nicht zwingend in aller Munde sind. Ist der Verdacht jedoch gegeben, kann nur eine Magenspiegelung (Gastroskopie) 100%igen Aufschluss geben.

 

Was sind mögliche Ursachen – wie entstehen Magengeschwüre?

Es hat sich gezeigt, dass vornehmlich Pferde betroffen sind, die sehr intensiv im Training stehen. Diesbezüglich ist erwiesen: je stärker das Training, um so höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd erkrankt. Ein ebenso großer Faktor kann eine falsche Fütterung darstellen – zu viel Kraftfutter, zu wenig Raufutter. Aus diesem Grund ist es unbedingt notwendig auf eine hinreichende Raufuttergabe (Heu, Stroh, Silage) zu achten. Die Struktur des Rauhfutters bedingt einen längeren Fressterminus und damit auch ein intensives Einspeicheln. Das im Speichel enthaltene Bikarbonat begünstigt dann die Abpufferung der Magensäure zur Magenwand. Unzureichende Haltungsbedingungen (z.B. reine Stallhaltung, wenig Auslauf, wenig Weidegang) oder anderweitige Stressfaktoren können die Ausbildung von Magengeschwüren zusätzlich begünstigen. Aber auch kranke Pferde können als Reaktion auf eine Medikamentengabe mit Magengeschwüren reagieren.

 

Wie wird ein Magengeschwür diagnostiziert?

Eine definitive Diagnose kann nur nach einer Magenspiegelung (Gastroskopie) durch den Tierarzt gestellt werden. Aber auch die folgenden klinischen Symptome können Hinweis auf eine Erkrankung sein:

 

  • Ein schlechter Allgemeinzustand des Pferdes, eventuell Abmagerung und Leistungsminderung (gegebenenfalls sogar apathisches Verhalten)

  • Immer wieder auftretende Koliken

  • unzureichendes Fressen (Fressunlust oder abnormales Fressverhalten)

  • schlechter Geruch aus dem Pferdemaul

  • Zähneknirschen

  • Aufstoßen“

  • allgemein für das Pferd untypische Verhaltensmuster

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    Was ist eine Gastroskopie?

    Eine Magenspiegelung erfolgt in der Regel am stehenden, sedierten Pferd – in der Klinik oder im Heimatstall. Bei der Untersuchung wird ein Endoskop direkt in das Mageninnere des Pferdes eingeführt. Mit Hilfe der am Gerät angebrachten Kamera kann nun sehr schnell festgestellt werden, ob Ulzerationen vorhanden sind und auch wo genau sie sich befinden. Voraussetzung für eine Gastroskopie ist ein fast vollständig leerer Magen zum Untersuchungszeitpunkt. Daher ist es notwendig, das Pferd mindestens 12 Stunden zuvor hungern zu lassen.


    Wie sieht eine mögliche Therapie zur Behandlung von Magengeschwüren beim Pferd aus?

    Ist eine Diagnose gestellt, sollte darauf geachtet werden, dass die möglichen Ursachen zeitnah eliminiert werden. So sollten beispielsweise Trainingsdauer, -methoden und -pläne, Fütterung, Haltungsbedingungen oder zusätzliche Stressfaktoren überprüft und optimiert werden. Begleitend dazu können dem Patienten Nahrungsergänzungsmittel verabreicht werden, die zum Ziel haben die angegriffene Magenwand bei der Regeneration zu unterstützen und sie im weiteren Verlauf zu schützen. Medikamentös ist die Gabe von Omeprazol angezeigt.

     

    Red. Jessica Mi-Kyun Schnabel

     
    10.Informationen Kleintier Bilder

    Frostschutzmittel - top für´s Auto, tödlich für Katzen & Hunde!

    Es ist soweit: Der Winter hat uns fest im Griff. Mit fallenden Temperaturen und ansteigendem Schneefall ist es in diesen Tagen gerade für Autofahrer ein Muss das Fahrzeug perfekt wetterfest ausgerüstet zu haben. Dazu gehört selbstverständlich auch der Gebrauch von Frostschutzmitteln. Doch worüber wir uns in diesem Zusammenhang natürlich weniger Gedanken machen ist, dass die blaue Flüssigekeit für unsere Haustiere lebensbedrohlich sein kann.

     

    Warum ist Frostschutzmittel gefährlich für Katzen & Hunde?

    Das in Frostschutzmittel enthaltene Ethylen Gykol ist hochgradig Nierentoxisch. Eine Aufnahme der blauen Flüssigkeit endet oft tödlich für Hunde und Katzen. Da es süßlich schmeckt, wird es gerne konsumiert. Bei einer Katze reicht bereits ein TL aus, um binnen kurzer Zeit in einen lebenbedrohlichen Zustand zu gelangen.

     

    Wie äußerst sich eine Gykol-Vergiftung?

    Katze oder Hund sind auffällig matt. Oft zeigt sich zusätzlich Erbrechen oder Durchfall. Abhängig von der konsumierten Menge kommt es zum akuten Nierenversagen. Nicht selten verschlechtert sich der Zustand des Tieres dabei rapide!

     

    Was ist zu tun? Wie ist die Prognose?

    Fahren Sie sofort zum Tierarzt oder in die nächstgelegene Tierklinik! Je nachdem wie schnell die Therapie eingeleitet wird und welche Menge konsumiert wurde, kann es Überlebenschancen geben. Konnte das Tier gerettet werden, ist leider meist die Niere dauerhaft geschädigt. Traurige Realität ist jedoch, dass auch früh eingeleitete Therapien oft wirkungslos sind und das Tier verstirbt.

     

    Was können Sie im Vorfeld tun?

    Sorgen Sie stets für einen sicheren Umgang mit Frostschutzmitteln! Lassen Sie keine angebrochenen oder defekten Behälter in Reichweite von Katzen & Hunden stehen. Entsorgen Sie über dies Behältnisse, in denen einmal Frostschutzmittel aufbewahrt wurde. Achten Sie auf Pfützenbildung am Auto oder verunreinigten Schnee - Pfützen könnten ausgetrunken und Schnee gefressen werden.

     

    Red. Jessica Mi-Kyun Schnabel

     
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    Zahngesundheit beim Pferd - ein Muss oder einfach nur modern?

     

    Ein Interview mit Dr. Wiebke Schröder, Fachtierärztin für Pferde

     

    Ab welchem Alter sollte ein Pferd zahnärztlich kontrolliert werden?
    Schon im Fohlenalter sollte das Gebiss auf Anomalien und eine regelmäßige Anordnung der Milchzähne untersucht werden. Ab einem Alter von 2-2,5 Jahren dann alle 6 Monate bis zur Vollendung des 5ten Lebensjahres zu Kontrolle und Korrektur. In dieser Periode wachsen die Zähne sehr schnell - es brechen zwischen 36 und 44 Zähne in die Maulhöhle durch, 24 Milchzähne werden durch bleibende ersetzt. Anschließend ist eine jährliche Kontrolle und Korrektur angezeigt. Ist das Pferd älter als 15 Jahre, kann der Zeitraum zwischen den einzelnen Zahnbehandlungen bei einem bis dahin gut gepflegten Gebiss langsam vergrößert werden.


    Warum ist regelmäßige, fachkundige Zahnpflege so wichtig?
    Der Pferdezahn besitzt im Gegensatz zum Menschenzahn oder zum Zahn eines Fleischfressers eine sehr lange Reservekrone, die im Laufe eines Pferdelebens immer weiter in das Pferdemaul vorgeschoben und abgenutzt wird. Damit schleifen sich Fehlstellungen und besonders scharfe Kanten immer wieder ein.


    Warum ist das beim Wildpferd nicht so?
    Zum einen frißt das Wildpferd deutlich härtere Gräser und muss einen viel weiteren Kauschlag tun, um alles adaquat zerkleinern zu können, zum anderen werden Wildpferde natürlich auf ein gesundes Gebiss selektiert. Das heißt: nur wer gut fressen kann, hat auch eine Chance auf ein langes Leben und viele Nachkommen. Zuchtpferde hingegen werden auf die unterschiedlichsten körperlichen und sportlichen Merkmale selektiert - ein gesundes Gebiss ist da oft eher nebensächlich.


    Muss ich mich nur als Sportreiter um die Zähne meines Pferdes kümmern, oder auch als Freizeitreiter bzw  wenn mein Pferd ungeritten auf der Wiese steht?
    Auch Freizeit- und Koppelpferde bedürfen einer regelmäßigen Zahnkontrolle. Jedoch kann die Intensität der Bearbeitung je nach Nutzungsrichtung des Pferdes durchaus variieren.


    Warum kümmern wir uns heute um die Zähne unserer Pferde? Ist das wirklich wichtig, oder einfach „nur modern“?
    Die ersten Berichte von Zahnbehandlungen beim Pferd gehen bereits ins alte Arabien zurück. Vor dem zweiten Weltkrieg, als das Pferd noch eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft und beim Militär spielte, waren regelmäßige Zahnbehandlungen bei Pferden Standard. Bereits 1942 wurde ein Lehrfilm von Prof. Erwin Becker in Berlin über die jährliche Zahnpflege bei Pferden produziert und veröffentlicht. Das wissen um die Wichtigkeit der regelmäßigen Zahnpflege beim Pferd ist lediglich zwischenzeitlich verloren gegangen. Erst jetzt arbeiten wir in der Prophylaxe wieder auf einem Standard, den es vor fast schon 80 Jahren einmal gab.


    Wie und wann äußern sich Zahnprobleme? Können auch Rittigkeitsprobleme ein Hinweis auf Zahnprobleme sein?
    Läßt sich ein Pferd schwer stellen, die Trense schlecht schießen oder möchte es sich erst gar nicht auftrensen lassen, so ist das häufig ein Indiz für Zahnprobleme. Auch ein Verwerfen im Genick oder schlechte Anlehnung können eine Folge von Zahnproblemen sein. Frißt ein Pferd schlecht oder gar nicht mehr, muss schon ein schwerwiegendes Problem vorliegen. Daher ist es der falsche Ansatz zu sagen, "Wieso? Der frißt doch gut...".


    Wie belastend ist eine Routine- Zahnuntersuchung für mein Pferd? Wie wird sie i.d.R durchgeführt?
    EIne Routine-Zahnbehandlung findet in der Regel am sedierten Pferd statt. Am unsedierten Pferd kann häufig schon festgestellt werden ob eine Behandlung überhaupt erforderlich ist. In Sedation ist eine gründliche Untersuchung der Maulhöhle erst richtig möglich um auch in die letzten Ecken schauen zu können. Unter Sichtkontrolle werden dann die Probleme punktuell bearbeitet und das Gebiss "ausbalanciert"  - sprich: es wird angestrebt eine gleichmäßige Lastverteilung zwischen Backenzähnen, Schneidezähnen und dem Kiefergelenk zu erreichen. Nach der Sedation sollte das Pferd anschließend 2h nicht fressen. Es ist zwar möglich, dass sich ein Pferd nach der Zahnbehandlung erst einmal an das neue Kaugefühl gewöhnen muss, aber die Meisten fressen nach der Behandlung unbeeinträchtigt.


    In welchen Abständen sollte sie erfolgen?
    0-5 Jahre: 1/2 jährlich
    ca. 6-15Jahre: jährlich
    >15 Jahre: alle 1,5-2 Jahre


    Haltung und Fütterungsformen? Wirkt sich beides auf Zähne aus? Und wenn ja, wie?
    Die Kopfposition des Pferdes beim Fressen ist ein wesentlicher Faktor für die gleichmäßige Abnutzung der Zähne. Da einige Muskeln des Halses direkt am Unterkiefer befestigt sind, bestimmt die Kopf-Hals-Haltung auch die Position der Backenzähne aufeinander. Bei einem hoch aufgerichtetem Hals zieht es den Unterkiefer beispielsweise immer nach hinten. Die Härte und Faserlänge des Futters hat einen großen Einfluss auf den Umfang des Kauschlages. Harte, strukturreiche Futtermittel erfordern einen größeren Kauschlag als feine, weiche Futtermittel. Daher werden die Zähne optimal durch lagfaseriges, schimmel und staubarmes Heu oder Gras vom Boden abgenutzt.


    Gibt es „typische“ Zahnerkrankungen? Rassetypisch? Alterstypisch?
    Zahnerkrankungen können grundsätzlich alle Pferde bekommen. Bei Pferderassen mit sehr kleinen, zierlichen Köpfen, kann es während des Zahnwechsels zu Problemen kommen, da  die Größe der angelegten Zähne häufig nicht zur Größe des Schädels passt und es dadurch zu Platzproblemen kommen kann. Diese Pferde  fallen während des Zahnwechsels besonders häufig mit Knochenauftreibungen (Bumps, Knäste) im Bereich der Zahnwurzeln auf.
    Tritt eine Auftreibung im Bereich der Zahnwurzeln einseitig auf, spricht dies häufig für eine Zahnwurzelentzündung und sollte unbedingt dem Tierarzt vorgestellt werden. Alte Pferde zeigen häufig Probleme durch lockere oder vollständig abgenutzte Zähne. Fällt ein älteres Pferd durch Röllchenkauen auf, sollte es in jedem Fall dem Tierarzt vorgestellt werden. Häufig sind lockere Zähne die Ursache. Kaut ein Pferd Röllchen, weil die Zähne zu weit abgenutzt sind, kann eine Zahnbehandlung das Problem nicht mehr vollständig beheben und das Pferd sollte mit Weichfutter zusätzlich oder vollständig versorgt werden. Eine für ältere Pferde typische Erkrankung ist die EOTRH (equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis), welche insbesondere die Schneidezähne betrifft und hochgradig schmerzhaft sein kann. Bei dieser Erkrankung wird das Zahnbein vom Körper abgebaut und durch kolbige Auflagerungen von Zahnzement ersetzt. Häufig zeigen betroffene Pferde zusätzlich starke Entzündungsreaktionen und Paradontosen. Im fortgeschrittenen Stadien kommt es häufig zu Fistelbildungen und Lockerung der Zähne. Häufig bleibt dann nur die Extraktion der Schneidezähne um dem Pferd zu helfen.    


    Welche Leistungen können wir in der Tierärztlichen Klinik Isernhagen anbieten?

  • Regelmäßige Zahnkontrollen und Ausbalancieren des Pferdegebisses
  • Röntgen des Kopfes und der Zähne
  • Wolfszahnextraktionen
  • Schneide- und Backenzahnextraktionen im Stehen über die Maulhöhle und wenn nötig auch über andere Verfahren
  • Eröffnung und Spülung der Nasennebenhöhlen im Stehen

  • Welche Eingriffe sind bei uns durchführbar?
    Zahnkorrekturen und Zahnextraktionen, sowie weitere, individuelle Eingriffe diesen Bereich betreffend.

    Welche Ausbildung haben Sie abgeschlossen? Was ist charakteristisch für Ihre Ausbildung?
    Ich bin seit August 2014 Fachtierärztin für Pferde und habe mich besonders im Bereich Zahngesundheit und Zahnextraktionen im Stehen fortgebildet. Während meiner Zeit an der FU-Berlin habe ich mich außerdem intensiv mit der EOTRH beschäftigt. Seit April 2015 bin ich geprüfte Pferdedentalpraktikerin nach IGFP (Internationale Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne).


    Zuletzt noch ein Tipp?
    Wer früh anfängt auf ein gesundes, ausbalanciertes Pferdegebiss zu achten, spart auf lange Sicht gesehen nicht nur Geld, sondern sorgt damit auch gezielt für ein gesünderes und zufriedeneres Pferd.


    Red. Jessica Mi-Kyun Schnabel

     
    RR Artikel LL 2015
     
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    Und ewig beisst die Zecke...

    Borreliose und Anaplasmose weiter auf dem Vormarsch.

     

     

     

    ein Interview mit Dr. Werner Thiet, Fachtierarzt für Kleintiere     

     

     

    Sommerzeit, Zeckenzeit? Kann man das eigentlich noch so stehenlassen?

    Nein, leider nicht. Denn neben der „klassischen Zeckenzeit“, die von April/ Mai bis Oktober reicht, konnten wir mittlerweile auch während der Wintermonate lebende Zecken am Hund finden. Ein Grund für deren Vorkommen in dieser eigentlich zeckenuntypischen Zeit sind jene warme Winter, in denen die Temperaturen selten unter 0 Grad fallen und augrund dessen die Zeckenpopulation kaum reduziert wird.

     

    Es ist ja allgemein bekannt, dass Zecken in Süddeutschland vermehrt Krankheiten übertragen können. Sind denn auch Zecken in Norddeutschland potentielle Krankheitsüberträger?

    Das Zecken-Verbreitungsprofil hat sich bedauerlicherweise dahingehend verändert, dass nun auch hier im Norden massiv mit Borrelien und Anaplasmen infizierte Zecken verzeichnet werden und sich die Ansteckungen folglich mehren. Lediglich die FSME ist bei uns bisher noch äußerst selten anzutreffen.

     

    Übertragen alle Zeckenarten Krankheiten?

    In unseren Breiten kommt sowohl der bekannte Holzbock (Ixodes ricinus) als auch die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) als Krankheitsüberträger in Frage.

     

    Mit welchen, durch Zecken übertragbare, Krankheiten müssen sich unsere Haustiere denn auseinandersetzen?

    Hauptsächlich geht es hierbei um die Borreliose und die Anaplasmose.

     

    Beginnend bei der Borreliose - bei Menschen ist diese ja bekanntlich eine gefürchtete Krankheit. Müssen daran erkrankte Haustiere ebenfalls behandelt werden?

    Die Borreliose ist beispielsweise auch beim Hund eine ernstzunehmende Erkrankung, die dementsprechend behandelt werden sollte. Wie bei uns Menschen gelingt es jedoch meistens nur, die Krankheit und deren Symptome zu kontrollieren - eine vollständige Erregerelemination ist nur äußerst selten der Fall.

     

    Muss ich als Hundebesitzer bei  jeder Zecke Angst vor einer Ansteckung mit Borreliose haben?

    Da sich die Infizierungen tendenziell weiter häufen, ist davon auszugehen, dass natürlich auch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung vermehrt gegeben ist. Man kann jedoch prophylaktisch Maßnahmen ergreifen, so dass gar nicht erst Angst vor einer Ansteckung gegeben sein muss.

     

    Wie äußert sich eine Borreliose? Gibt es spezielle Leitsymptome, die auf den ersten Blick erkennen lassen, dass eine Erkrankung vorliegt?

    Leider gibt es in so einem Fall kein spezielles „Leit- oder Hauptsymptom“. Man kann jedoch sagen, dass die klassischen Symptome derer ähneln, die auch beim infizierten Menschen vorkommen, z.B. Gelenksentzündungen – sie sind jedoch beim Hund viel seltener zu verzeichnen als beim Menschen. Oft ist es der Fall, dass das Tier unspezifisch krank ist. Es erscheint in seinem Allgemeinbefinden reduziert, lustlos, atypisch und dem Besitzer meist „irgendwie verändert“. Vereinzelt kann erhöhtes Fieber festgestellt werden.

     

    Angenommen es besteht Verdacht auf eine Borreliose-Erkrankung beim Hund. Wie stellen Sie die Diagnose?

    Neben der allgemeinen klinischen Untersuchung wird ein Bluttest durchgeführt, bei dem die Antikörperreaktion des Hundes gemessen wird. Anhand dieser Befunde können wir in den meisten Fällen feststellen, ob der Hund an Borreliose erkrankt ist.

     

    Mein Hund hat akute Borreliose – wie sieht eine mögliche Therapie aus?

    In diesem Fall geben wir über einen Zeitraum von drei Wochen ein entsprechendes Antibiotikum – dabei ist insbesondere die Dauer der Gabe entscheidend.

     

    Ist mein Hund nach einer behandelten Borreliose-Erkrankung immun gegen eine erneute Ansteckung?

    Leider nein. Auch nach einer gut überstandenen Borreliose-Erkrankung ist es möglich, dass er sich durch den erneuten Biss einer infizierten Zecke ansteckt oder dass die Krankheit auch ohne erneuten Zeckenbiss wieder auftritt.

     

    Kann ich denn im Vorfeld etwas machen, um die Risiken einer Erkrankung zu minimieren?

    Das wichtigste ist sicherlich die Zeckenprophylaxe. Sollte man eine bereits am Hund festgebissene Zecke finden, ist diese zeitnah mit einer Zeckenzange vollständig zu entfernen, denn es gilt: je länger die Zecke saugt, desto mehr Borrelien können in den Wirtskörper übertragen werden.

     

    Wie betreibe ich Zeckenprophylaxe?

    Man sollte den Hund regelmäßig, vor allem nach einem Spaziergang in Feld und Wald, auf Zecken untersuchen und diese gegebenenfalls entfernen. Es gibt zudem noch Präparate, die Zecken nach dem Biss abtöten oder als Repellent wirken („Heiße-Pfötchen-Prinzip“).

     

    Kommen wir zur Anaplasmose-Erkrankung. Bis vor kurzem noch nahezu unbekannt, ist sie plötzlich in aller Munde. Was ist Anaplasmose eigentlich?

    Leider konnten  wir in den letzten Jahren tatsächlich eine Zunahme von an Anaplasmose erkrankten Hunden verzeichnen. Die Anaplasmose ist eine durch Bakterien der Ordnung „Rickettsien“ hervorgerufene Infektionskrankheit. Die Erreger gehören zur selben Ordnung wie die der Ehrlichiose und werden ebenfalls von Zecken übertragen. Außer Hunde können sich auch Katzen, Pferde, Wiederkäuer und Menschen anstecken – es handelt sich hier also um eine Zoonose.

     

    Was sind die Symptome?

    Die klinischen Symptome sind häufig ähnlich unspezifisch wie bei der Borreliose. Fieber, Fressunlust,  Anorexie, Polyarthritis, Apathie oder Lymphadenopathie  können den Krankheitsverlauf säumen. Eine Blutuntersuchung gibt hier jedoch schnell Aufschluss und leitet damit einhergehende Untersuchungen ein.  

     

    Wann werden die Erreger durch die Zecke übertragen?

    Parasitologen sagen, dass die Zecke die Erreger erst nach einem gewissen Zeitraum in den Wirtskörper überträgt. Dies soll in etwa 12 bis 24 Stunden nach dem Biss erfolgen. Wichtig ist auch hier die Prophylaxe!

     

    Kann eine Zecke Borrelien und Anaplasmen gleichzeitig übertragen?

    Leider ja -  eine Zecke in der Lage mehrere Krankheiten mit einem Biss zu übertragen.

     

    Kann Anaplasmose geheilt werden?

    Geheilt nicht – aber behandelt. Bei einer akuten Infektion wird auch hier über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen ein entsprechendes Antibiotikum gegeben.

     

    Ein abschließender Kommentar?

    Die Angst vor einer Borreliose- oder Anaplasmoseerkrankung des eigenen Hundes, kann ich meinen Patientenbesitzern leider nicht nehmen. Dennoch ist Panik fehl am Platze. Nicht jede Zecke ist infiziert. Wie bereits erwähnt rate ich zur gezielten Prophylaxe, zu der in erster Linie das konsequente Absuchen des Hundes nach Zecken gehören sollte, sowie nach eigenem Ermessen der Einsatz etwaiger zeckenabtötender oder -abweisender Präparate.

     

     

    Red. Jessica Mi-Kyun Schnabel